Wenn ihr das nächste Mal wieder spanisches Gemüse im Supermarkt kaufen wollt gebe ich euch einen kleinen Tipp: „Lasst es einfach liegen!“ Kauft regionale Produkte, kauft der Jahreszeit entsprechend, kauft keine Erdbeeren im Dezember… Ihr wisst schon was ich meine 🙂

Ihr seht hier Screenshots die ich in google Earth gemacht hatte: El Ejido, Almeria und Motril in Andalusien (Spanien). Die weißen Flecken sind keine Störungen, sondern Gewächshäuser bestehend aus zum Großteil Plastikplanen. Wikipedie schreibt hierzu: „Es ist die weltweit größte Anbaufläche unter Folie. Pro Jahr werden etwa 3 Mio. t Treibhausgemüse produziert.“ und weiter „Aufgrund des sehr großen Flächen- und Wasserverbrauchs und der in großem Umfang verwendeten Pestizide ist die ökologische Situation sehr schlecht. Das Grundwasser ist teilweise verschmutzt.“

Finger weg von Spanischem Gemüse!

Inzwischen hat sich jedoch wenigstens das Thema Pestizide etwas verbessert. Durch Presse und den Druck der Öffentlichkeit hat sich der Pestizideinsatz erheblich reduziert.

Wer kauft das Zeug?

Produziert wird hier für den Europäischen und vornehmlich für den Deutschen Supermarkt. Gemüse, Früchte und Obst aus Spanien? Zu fast 100%er Wahrscheinlichkeit aus dieser Gegend. Sollte soweit noch kein Problem darstellen. Doch arbeitet man sich mal in das Thema ein, so kommen immer mehr erschreckende Fakten zu Tage und eigentlich kann man dieses System nicht wirklich unterstützen.

65 Prozent der Produkte werden in die EU-Länder exportiert. Deutschland ist der zweitgrößte Abnehmer nach Spanien; weitere Ausfuhrländer sind Frankreich, Großbritannien, Holland, Belgien, Italien und einige osteuropäische Länder wie Polen, Russland und Tschechien. Auch nach Kanada und die USA werden die Anbaufrüchte verschickt. Grundsätzlich bleibt den Bauern nicht allzu viel von dem Verkaufserlös. Die Preise werden von den Handelskonzernen bestimmt. Den Bauern bleibt nur ein Zehntel von dem, was über dem Verbraucherpreis verdient wird.

Des weiteren wächst das Obst und Gemüse nicht bei Sonnenlicht und in der Erde, kann somit nicht wirklich Mineralien aus dem Boden ziehen und bietet vom Geschmack her nicht wirklich den vollen Umfang natürlich in der Muttererde bei Sonnenlicht wachsenden Gemüses. Jeder weiß eigentlich, dass diese Tomaten, Gurken und so weiter nicht wirklich Geschmack besitzen. Das Gemüse wird meist unreif geerntet und reift auf dem Weg durch Europa in Kühlhäusern und LKW nach, um dann kauffertig im Supermarkt den richtigen Reifegrad zu besitzen.

Immigranten und Hungerlöhne

Die Arbeiter sind oft Einwanderer, die zu Hungerlöhnen schuften, meist aus Afrika, in den letzten Jahren auch aus Rumänien oder Bulgarien. Die meisten Afrikaner sind papierlose Immigranten aus dem Maghreb oder Ländern südlich der Sahara, die in Booten vor den Kanarischen Inseln aufgegriffen werden. Sie leben zwischen den Plastikbahnen in Verschlägen und Hütten. Auch hier versucht man seit Jahren eine Verbesserung herbei zu führen.

Auch hier wieder der Hinweis: Den Preis, den ihr am Supermarkt nicht bereit seid zu zahlen, für zum Beispiel Regionale Produkte, müssen andere für euch bezahlen. Die Natur, Umwelt und Menschen. Das Zeug wird gekühlt, durch ganz Europa gekarrt. Unmengen an Kraftstoff für LKWs und Energie zur Kühlung muss hier aufgewendet werden. Am Besten wird das „Bio-Gemüse“ aus Spanien dann noch einzeln in Plastik verpackt. Nicht gekauft, wandert das Gemüse nach einer kleinen Weltreise im Mülleimer. Entweder direkt im Supermarkt oder zu Hause. Eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen! Die Gewächshäuser stehen in einem Wüstenähnlichem Gebiet.

Nach meinen Recherchen wurde und wird Almeria auch durch Fördermittel aus Brüssel aufgebaut. Somit zahlt ihr den an der Supermarktkasse günstigeren Preis über Umwege doch wieder irgendwie über Steuergelder. Auf Almería fallen im Jahr nur 145 Millimeter Regen pro Quadratmeter. Das Wasser, welches zum Anbau des Gemüses benötigt wird, kommt aus Talsperren, Zuspeisung durch Flüsse und der Entsalzung von Meerwasser. Doch die Entsalzung ist teuer, energieaufwändig und mit fatalen ökologischen Nebenwirkungen verbunden. Große Entsalzungsanlagen benötigen so viel Energie, dass man im Grunde gleich ein eigenes Kraftwerk daneben bauen muss. Das entzogene Salz wird als Sole wieder ins Meer zurück geleitet. Dadurch verändert sich der Salzgehalt des Meeres, was wiederum in den betroffenen Küstenbereichen negative Folgen für die Fischbestände und Wasserpflanzen hat.

Wie ihr diese Infos nutzt, bleibt euch überlassen. Denkt bitte aber immer daran „NICHTS IST UMSONST“. Und die immer billiger werdenden Produkte im Supermarkt, haben Nebenwirkungen – auch wenn ihr diese nicht direkt zu spüren bekommt. Kauft Gemüse der Jahreszeit entsprechend, kauft Gemüse aus der Region. Und wenn im Winter keine Erdbeeren auf den Tisch kommen, tja – dann gibt’s halt keine bis zum nächsten Sommer. Kann man sich doch dann wenigstens wieder drauf freuen 😉 Der Erklärbär Günni :)))) Es wird einfach Zeit für ne Konsum rEvolution!

Billige Vitamine
www.deutschlandfunk.de/billige-vitamine.716.de.html?dram%3Aarticle_id=90338

El Ejido (Almería) – Treibhausanbau
www.diercke.de/content/el-ejido-almer%C3%ADa-treibhausanbau-978-3-14-100700-8-119-3-0

Gemüse für Europa – aus Sklavenhand
walbei.wordpress.com/2011/04/15/gemuese-fur-europa-%E2%80%93-aus-sklavenhand/

Der Preis für unser Gemüse…
Migration, Ausbeutung und Landwirtschaft in Almería

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Update 31.05.2015
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Inzwischen wurde der Beitrag auf Facebook schon 860 Mal geteilt. Habe mir gerade die Mühe gemacht fast alle der Kommentare und Diskussionen dazu durchzulesen.

Hier möchte ich nun näher auf ein brennendes Thema eingehen!
Die Arbeitsbedingungen und illegale Einwanderer. Dazu eine kleine Linksammlung:

forumcivique.org – 2015
Bitteres Obst und Gemüse – Aktuelle Lage in Almeria
www.forumcivique.org/…/spanien-bitteres-obst-und-gem%C3%BCse

derStandard.at – 2013
Kontrollen gibt es nur, um illegale Arbeiter auszuweisen
www.derstandard.at/…/Kontrollen-gibt-es-nur-um-illegale-Arb…

Interbrigados – 2013
Landwirtschaft, Ausbeutung und Widerstand im Plastikmeer von Almería
www.interbrigadas.org/…/report_landwirtschaft_ausbeutung_un…

Amnesty International – 2007
Arbeitsmigration: Gekentert im Plastikmeer
www.amnesty.de/umleitung/2007/deu05/021

E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit – 2009
Schwarzarbeit: Schattenbrüder
www.dandc.eu/…/wirtschaftskrise-trifft-illegale-migranten-s…

Ein weiteres Thema welches ich gelesen hatte – mir wurde unterstellt ich sei europafeindlich. Oder zumindest ist dieser Post europafeindlich. Dem möchte ich widersprechen. Die Art der Produktion ist etwas, welches ich als feindlich betrachte – für Mensch, Umwelt und Natur. In einem Trockengebiet unter Plastik, mit Hilfe von knapp 100.000 zum Großteil illegalen Arbeitern Billiggemüse zu produzieren, welches dort nur produziert werden kann indem man Flüsse umleitet, Staudämme baut oder mit viel Energie Meerwasser entsalzt, halte ich für nicht effizient.

Darüber hinaus kommt – laut Zahlen die ich gelesen hatte – ungefähr 1/3 des angebauten Gemüses gar nicht erst in den Handel, da es den EU-Vorschriften oder den Vorstellungen der Großhandelsketten nicht entspricht. Hierzu kommt noch der ganze Plastikmüll der Planen, die ca. alle 2 Jahre komplett erneuert werden müssen. Für diesen Müll ist bis heute noch keine adäquate Lösung vorhanden und er wird zum Großteil zwischengelagert. Wir sprechen hier von ca. 40.000 Tonnen Plastikmüll.

Weiterhin hatte ich auch Zahlen gelesen, die beschreiben, dass von dem in Europa herumkutschierten und im Supermarkt angebotenen Gemüse auch ca. wieder 1/3 im Müll landen, da es nicht verkauft wurde. Wer hier denkt ich sei europafeindlich, hat wohl immer noch nicht die Auswirkungen dieses Systems durchschaut.

Denkt einfach nach!

Billiggemüse, welches nur so billig produziert werden kann durch Ausbeutung, Wasserverschwendung, EU-Zuschüsse und widrigen Produktionsbedingungen, der nicht unsachgemäßen oder nicht vorhandenen Beseitigung des anfallenden Pflanzen- und Plastikmülls, der Inkaufnahme von täglich hunderten LKWs die durch ganz Europa unterwegs sind – hat für mich in den Supermärkten nichts zu suchen. Darüber hinaus, die Energie und Kosten die hier aufgewendet werden um das Gemüse in die Kaufhäuser zu bringen, um dann am Ende vielleicht doch im Müll zu landen. Ist das europafeindlich wenn ich mit diesem System ein Problem habe?

Eine Lösung hatte ich ganz am Anfang geboten: Kauft regional, saisonal. Oder baut einfach selber an. Gemüse, welches in heimischen Landschaften wächst spart jährlich hunderte Millionen LKW-Kilometer, stärkt unsere heimischen Landwirte, stärkt die heimische Wirtschaft, verbraucht weniger Energie und weniger Ressourcen.

Wie ich wo anders als Kommentar schon erwähnt hatte. Laut Klimaforschern ist die Gegend im Süden Spaniens, also um Almeria eine angehende Wüste. Es wird dort in den nächsten Jahrzehnten weniger Wasser, mehr Dürren und Trockenheit geben. Wollen wir dort wirklich unser Gemüse produzieren im Plastiksäckchen mit Steinwolle unter Plastikplanen mit aus anderen Regionen abgezapftem Wasser und durch Billiglöhner? Ich persönlich möchte das nicht.

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Update 16.08.2015
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Finger weg von Spanischem Gemüse!
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